Samstag, 17. Juni 2006

Rainer Plagemenann: Blickkontakt

Die "Waschbar" in der Brandenburger Vorstadt ist immer für Überraschungen gut. Obwohl an einer viel befahrenen Straße gelegen, lockt das Waschmaschinen-Bistro stets zahlreiches Publikum vor allem jüngeren Alters an; die Kreuzung Scholl- und Ossietzky-Straße belebt sich zusehends. Zu sehen bekommt man hier derzeit aber etwas Sonderbares: Ein riesengroßer goldener Buddha lächelt auf dem Dach der Bar weise und unergründlich freundlich vor sich hin. Man sieht ihn an und dreht sich um und grübelt, wohin um alles in der Welt er schaut. Zum chinesischen Haus von Sanssouci natürlich. Das war zwar nicht die Absicht der Kunst-Macher, aber es passt, als wäre diese Gottheit der Chinesen genau für diesen Ort gemacht worden. So mag man zwar streiten, ob der Styropor-Koloss Kunst ist oder nicht, aber er gefällt den Leuten, und das macht ihn als Kunst im öffentlichen Raum salonfähig, waschsalonfähig zumindest.

Der Kunsttick-Agentur und der Waschbar wünscht man, dass sie den Buddha auch thematisch nutzen können. Und wenn seine Zeit auf dem Dach einmal abgelaufen ist, möge er anderswo lächeln als Zeichen der Toleranz. Das passt doch irgendwie zu Potsdam.

Quelle: http://www.maerkischeallgemeine.de/

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