Samstag, 17. Juni 2006

Rainer Plagemann: Ein Buddha auf dem Waschsalon

BRANDENBURGER VORSTADT Gestern Mittag in der Geschwister-Scholl-Straße: Lars Kaiser legt die Leiter an und steigt der "Waschbar" aufs Dach; er streichelt dem "Dicken" über den Bauch und greift zum Pinsel. Der "Buddha" bekommt goldene Hände und Füße und ist eine Stunde später komplett. Bis Spätherbst thront er dann auf dem Flachdach des kultigen Waschsalons, der trotz der Kleinheit seines Gastraums immer wieder mit Konzerten und Aktionen von sich reden macht. Jetzt mit einem riesigen goldenen Buddha. Freundlich und unerschütterlich lächelnd sitzt dieser chinesische Gott da und schaut die Ossietzkystraße entlang zum Park Sanssouci, wo sich hinter den Wipfeln alter, wertvoller Bäume eine kleines, niedliches Teehaus verbirgt.

Nach Potsdam gebracht hat den Buddha die Kunsttick-Agentur Potsdam, die durch die farbige Lichtfassadeninstallation an der Stadt- und Landesbibliothek bekannt ist; vier Monate leuchtete diese, vom Herbst 2004 bis Januar 2005.

Der Buddha war von den Mönchen des Berliner Shaolin-Klosters angefertigt und mit dem Rücken an eine Hofwand gestellt worden, überzogen mit Glasfasergewebe und Acryl, um ihn wetterfest zu machen. Dann aber wurde das Kloster am Ku'damm umgebaut, und für den Buddha war in dieser Größe kein Platz mehr. Doch ehe man ihn schreddern konnte, erfuhr Kunsttick.

Mitinhaber Kaiser "über acht Ecken" davon und sicherte sich die Figur. Zersägt in 14 Teile, kam der Riese nach Potsdam; die Suche nach einem Aufstellungsort begann. Auf dem Dach des Hauses des Reisens am Platz der Einheit sollte er anfangs stehen, wo Kunsttick im Erdgeschoss Räume hat, doch die Sache war dort zu windanfällig, und wirklich gut gesehen hätte man Buddha dort nicht.

Weil Kaiser nun in der Nähe der "Waschbar" wohnt, fragte er Bar-Besitzer Klaus Kühn, ob er sich den Buddha auf seinem Dach vorstellen könnte - er konnte. Also hievte man die Teile aufs Dach und setzte sie wie ein Puzzle zusammen. Mehr als eine Woche trug der Buddha, der übrigens noch keinen Kosenamen hat, deshalb Spachtelstreifen auf dem Bauch. Nach und nach wurde das 130 Kilo schwere Kunstwerk golden angemalt, mit einem Eisenkorsett verstärkt und auf dem Dach verankert.

Was mit ihm ab Herbst wird, weiß Kaiser noch nicht. Er würde den Buddha gerne als Zeichen religiöser Toleranz wandern lassen zu anderen Standorten. Auch eine "Vereinigung" mit anderen "Repräsentanten" von Weltreligionen kann er sich gut vorstellen.

Quelle: http://www.maerkischeallgemeine.de/
Rainer Plagemenann: Blickkontakt

Die "Waschbar" in der Brandenburger Vorstadt ist immer für Überraschungen gut. Obwohl an einer viel befahrenen Straße gelegen, lockt das Waschmaschinen-Bistro stets zahlreiches Publikum vor allem jüngeren Alters an; die Kreuzung Scholl- und Ossietzky-Straße belebt sich zusehends. Zu sehen bekommt man hier derzeit aber etwas Sonderbares: Ein riesengroßer goldener Buddha lächelt auf dem Dach der Bar weise und unergründlich freundlich vor sich hin. Man sieht ihn an und dreht sich um und grübelt, wohin um alles in der Welt er schaut. Zum chinesischen Haus von Sanssouci natürlich. Das war zwar nicht die Absicht der Kunst-Macher, aber es passt, als wäre diese Gottheit der Chinesen genau für diesen Ort gemacht worden. So mag man zwar streiten, ob der Styropor-Koloss Kunst ist oder nicht, aber er gefällt den Leuten, und das macht ihn als Kunst im öffentlichen Raum salonfähig, waschsalonfähig zumindest.

Der Kunsttick-Agentur und der Waschbar wünscht man, dass sie den Buddha auch thematisch nutzen können. Und wenn seine Zeit auf dem Dach einmal abgelaufen ist, möge er anderswo lächeln als Zeichen der Toleranz. Das passt doch irgendwie zu Potsdam.

Quelle: http://www.maerkischeallgemeine.de/

Dienstag, 13. Juni 2006


Quelle: Märkische Allgemeine Zeitung

Dienstag, 4. April 2006


Quelle: Potsdamer Neueste Nachrichten

Montag, 6. Februar 2006


Quelle: Märkische Allgemeine Zeitung

Mittwoch, 1. Februar 2006


Quelle: Potsdamer Neueste Nachrichten